Was der 12. Oldenburger BIM-Tag über die Zukunft des digitalen Bauens verraten hat – und warum es sich lohnt, da zu sein, auch wenn das Wetter dagegen ist.
Es war einer dieser norddeutschen Februartage, an denen man den Autoschlüssel zweimal wendet, bevor man losfährt. Bitterkalt, glatt, Wind von der Seite. Wer es trotzdem am 4. Februar 2026 in den Lichthof der Jade Hochschule Oldenburg geschafft hat, war nicht zufällig dort. Sondern bewusst.
Rund 380 Fachleute hatten sich für den 12. Oldenburger BIM-Tag angemeldet – spürbar weniger als sonst kamen tatsächlich. Mit interessantem Nebeneffekt.
Weniger Menschen, mehr Gespräche
Wer schon mal auf einer ausverkauften Fachtagung war, kennt das: man nickt sich zu, tauscht Karten, kommt selten über das „Wir müssten uns mal richtig unterhalten“ hinaus. Diesmal war das anders. Es gab Zeit – für Nachfragen, Vertiefung, für die Sätze nach dem Vortrag.
Prof. Dr. Sebastian Hollermann und Prof. Dr. Gregor Grunwald, die das Format an der Jade Hochschule seit Jahren tragen, hatten noch eins draufgesetzt: Erstmals gab es ein paralleles Programm für BIM-Einsteiger:innen – nicht nur für Profis. Eine kluge Entscheidung. Denn für viele KMU bleibt BIM eine Blackbox: irgendwie wichtig, irgendwie teuer, „machen die Großen“.
KI im Bauwesen – das Schwergewicht
Inhaltlich stand ein Thema über allem: Künstliche Intelligenz. Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs hob in seinem Grußwort den gemeinsamen Blick von Hochschule und Praxis hervor. Präsident Prof. Dr. Manfred Weisensee formulierte es kurz:
„Den Weg zur KI-Hochschule sind wir angegangen.“
Im Fachvortrag von Jake Haskell („KI und BIM in der gebauten Welt“) wurde sichtbar, wie weit die Verbindung schon ist: Kollisionsprüfungen, Mengenermittlungen, Variantenvergleiche – was bei großen Projekten den Flaschenhals bildet, wird gerade neu sortiert.
Für die Transformation von Bestandsimmobilien – woran KMU und Forschungseinrichtungen im Netzwerk NewWorkSpacesDigital gemeinsam arbeiten – ist das entscheidend. Der Bestand hat ein Datenproblem: alte Pläne, fehlende Aufmaße, Stockwerke, die mal anders verlaufen als die Bauakte behauptet. KI plus BIM ist hier keine Spielerei, sondern Voraussetzung, um aus einem 70er-Jahre-Bürokasten einen modernen NewWorkSpace zu denken.
Warum wir vor Ort waren
Mehrere Partner aus dem Netzwerk arbeiten genau an dieser Schnittstelle. Ein Tag wie der BIM-Tag ist Echtraum-Test: Was kommt aus der Forschung an? Was kommt in der Praxis an? Wo klafft die Lücke?
ZIM-Innovationsnetzwerke leben davon, dass Menschen sich sehen, zuhören, mitnehmen. Eine Powerpoint kann man durchklicken. Eine Frage am Rande eines Vortrags kann ein gemeinsames Projekt anstoßen – und genau das ist in Oldenburg passiert. An mehreren Stellen.
Wer ein Bestandsgebäude in einen NewWorkSpace überführen will, kommt an digitalem Planen nicht mehr vorbei. Nicht, weil es Mode ist. Sondern weil ohne saubere Datenbasis – und ohne KI, die diese Daten lesen kann – Sanierung, Umbau und Umnutzung zum Ratespiel werden.
Termin schon mal vormerken: 4. Februar 2027. Ob bei minus zehn oder plus zehn Grad.